Ein beglückendes, unbeschreibliches Gefühl, wenn ich zum Schlussapplaus unseren roten Hauptvorhang per Knopfdruck öffnen und schließen kann

Foto: Kerstin Schomburg

Meine 28 Jahre als Chefinspizient am Schauspielhaus lassen sich nur schwer in einem Newsletter zusammenfassen. Da bräuchte ich schon mehrere Seiten. Es gibt so viele Dinge, die ich als leidenschaftlicher Theatermensch den Zuschauern mitteilen möchte. Nun, ich fange einfach mal an: Normalerweise sehen mich die Zuschauer nicht, aber sie merken sofort, wenn ich einen Fehler mache. Denn ich bin für den technischen Ablauf verantwortlich. Ich sitze neben der Bühne an einem hochmodernen Inspizientenpult mit vielen Schaltern, Mikrofonen, Monitoren, Kameras und allerlei Computertechnik. Vor mir liegt ein genau geführtes Textbuch – in der Oper eine Partitur. Hierin habe ich alle Einsätze sorgfältig eingetragen. Diese wurden bei intensiven Probenarbeiten festgelegt. Von hier aus gebe ich bei Proben und Vorstellungen alle Einsätze für die technischen Abteilungen. Von Drehühne, Podien, Zugstangen, Auftritten der Schauspieler, technischen Verwandlungen, über viele Lichtwechsel bis zum Fallen eines Vorhangs, gehen alle Kommandos von meinen Einsätzen aus. Patzer, sprich Fehler, könnten manchmal fatale Folgen haben. Aber es ist – zugegeben – ein tolles Gefühl, wenn alle Beteiligten auf mich hören und »nach meiner Pfeife tanzen«.

Zusätzlich habe ich in meinen 28 Schauspielhaus-Jahren alle Familienproduktionen wie »Krabat«, »Tintenherz« etc. (insgesamt 867 Vorstellungen) betreut. In all diesen Inszenierungen habe ich auch mitgespielt. Es macht mir Spaß, mit meinen Schauspielerkollegen gemeinsam auf der Bühne zu stehen und gemeinsam zu spielen. Darauf bin ich stolz. Der Begriff »gemeinsam« hat für mich einen hohen Stellenwert. Es ist mir wichtig, dass wir gemeinsam eine Produktion auf der Bühne stemmen. Ich bin ein Vermittler zwischen den künstlerischen und technischen Abteilungen. Jeder Mitarbeiter ist ein Teil vom Ganzen. Und jede Produktion ist anders.

Mit der Bühne bin ich schon seit meiner Kindheit verbunden. 34 Jahre arbeite ich als Inspizient, über 4.500 Vorstellungen habe ich betreut. Ich habe an vielen Bühnen gearbeitet, auch als Gast. Mit meiner Lieblingsstadt Hamburg und dem Schauspielhaus bin ich eng verwurzelt. Mit dem Regisseur Wilfried Minks habe ich 16 (!) Inszenierungen erarbeitet. Meinen Förderer Peter Zadek habe ich bis zum Lebensende als Inspizient begleitet. Legendäre Aufführungen wie »Ghetto«, »Lulu« oder »Hamlet« haben die Zuschauer und ich nicht vergessen. Sieben Intendanten habe ich am Schauspielhaus kennengelernt.

Jetzt spielen wir auf dem Spielfeld. Das ist wieder eine ganz andere Seite vom Theater. Ich sitze in einer Loge und alles ist viel kleiner und enger als auf »meiner« großen Lieblingsbühne. Wie gesagt: »Theater ist immer anders«. Ich bin gespannt auf unsere neue große Bühne und denke oft daran, wie es dann wohl so wird.

Ich liebe das Theater mit all seinen Facetten und Möglichkeiten. Es ist für mich ein beglückendes, unbeschreibliches Gefühl, wenn ich zum Schlussapplaus unseren roten Hauptvorhang per Knopfdruck öffnen und schließen kann und ca. 1300 Zuschauer voller Freude applaudieren.

Olaf Rausch, Chefinspizient am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg

Und hier noch ein paar Zahlen, die Olaf Rausch uns zu seiner Arbeit an der Produktion »Männer Frauen Arbeit« hat:

4 verschiedene Nebelmaschinen mit 16 Einsätzen
1 Versenkung
4 Videobeamer
2 Verfolger
66 Lichtwechsel in 110 Minuten Spieldauer
73 Umbauzeichen für technische Wechsel
unzählige Kostümwechsel
4 Fahrten mit dem Panzer
15 Min. Bodennebel
18 Stühle

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Hawaii 07 ist da!

Das Magazin aus dem Schauspielhaus.

Lauter machen!
Das Theater mit der Musik:
Ein Magazin über
Sub-, Hoch- und Popkultur.

Mit Beiträgen von Anton Spielmann (1000 Robota) und Ted Gaier (Goldene Zitronen), Christoph Twickel, Tino Hanekamp, Nadia Shehadeh, Klaus Walter u.a.

Hawaii 07 könnt Ihr Euch bei Eurem nächsten Schauspielhaus-Besuch kostenlos mitnehmen – und hier online ansehen. Viel Spaß beim Lesen!

Editorial
Sie nähern sich, die schwankenden Gestalten. Mit ihren alkoholisierten, drogenvernebelten Gemütern kommen sie aus der Nacht, verschwitzt und euphorisch, verpeilt und mit Laberflash und natürlich: sentimental. Die Bücher, die die Club- und Musikkultur der Achtziger, Neunziger und Nuller Jahre dokumentieren und analysieren, füllen heute so manchen Regalmeter. Ein große Retrospektive hat eingesetzt, ein Festhaltenwollen dessen, was mal ein flüchtiger Aspekt der eigenen Jugend war und jetzt darauf drängt Kulturgut zu sein. Popkulturelles Erbe, das bewahrt und besprochen sein will. Zuletzt hinzugekommen: Der Interviewband »Der Klang der Familie. Berlin, Techno und die Wende« (Suhrkamp) und Wolfgang Müllers minutiös-eigenwillige Aufarbeitung »Subkultur Westberlin 1979–1989« (Fundus). Und natürlich Nadja Geers »Sophistication. Zwischen Denkstil und Pose« (V&R), das die Epoche von Popintellektuellen wie Diederich Diederichsen, Rainald Goetz oder Thomas Meinecke kritisch beleuchtet. Geer schreibt darüber, wie das popkulturelle Auskennertum seit den Achtziger Jahren »mit einem avantgardistischen Gestus die Türen des Bildungsbürgertums« eintritt – und sich dabei selbst zum Bildungsvorsprung macht, der den Unwissenden die Tür weist. Tino Hanekamps Roman »So was von da« (KiWi) erzählt von dieser »harten Tür des Pop« (Thomas Meinecke) auf schwelgerische, romantische Weise. Er handelt von der letzten Nacht eines kleinen, experimentierfreudigen Clubs auf St. Pauli – das historische Vorbild war die »Weltbühne« am Nobistor – und von der kleinen, zusammengewürfelten Gemeinschaft, die sich um den Club gebildet hat. Vom dandyesken Clubbetreiber über die verstrahlt-kindliche Künstlerin bis zum grimmigen russischen Türsteher: Komische Vögel allesamt, die für ein paar Monate erfolgreich ein gemeinsames Habitat finden, eine bessere Welt hinter der Clubtür, die aus lauter Liebe, Sound und anderen Substanzen besteht. Flüchtig, vom Abriss bedroht und damit in natürlicher Feindschaft zu Vermietern und Politikern. Wie die Kulturtechnik Musikhören in und mit dem Internet mutiert, wie die Musikindustrie von einer neuen Eventbranche abgelöst wird, die Ökonomisierung der Städte und mit ihr das Verschwinden jener Brachen und Zwischenwelten, die für die Clubkultur so wichtig sind: Wir stehen an einem Epochenwandel, was die Popkultur betrifft. Womöglich ist das der Grund für die Welle an Literatur zum Thema. Und definitiv ist es höchste Zeit, dass auch die Theater die flüchtigen Glückswelten des Pop als Herausforderung betrachten. Die Entscheidung, Tino Hanekamps »So was von da« im Schauspielhaus auf die Bühne des Spielfelds zu bringen, ist ein Beitrag dazu. Und diese Ausgabe von Hawaii ein weiterer. Viel Spaß beim Lesen – wir sehen uns im Theater, Jack Kurfess und Florian Vogel

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Tino Hanekamp hat für uns zur Premiere von »So was von da« einen Newsletter geschrieben

Guten Tag.

Was Sie hier sehen, ist ein Newsletter (für den Silbersee: Rundbrief). Und was Sie hier lesen, ist eine Newslettereinleitung, die zu verfassen man mich gebeten hat. Mit Newslettereinleitungen hat alles begonnen, und mit einer Newslettereinleitung geht es zu Ende. Der Kreis schließt sich. Und über allem schwebt die Abrissbirne.

Es begab sich vor nunmehr vier Jahren, dass mich der Abgesandte eines angesehenen Verlages um ein Treffen bat, da er meine Newslettereinleitungen gelesen hatte, die zu verfassen ich mir für den sagenumwogenden Hamburger Musikclub Uebel & Gefährlich nicht zu schade gewesen war. Flugs schlug ich ein Treffen vor, und zwar in der Kantine des Hamburger Schauspielhauses, weil man dort tagsüber seine Ruhe hat und nächtens direkt zum Hauptbahnhof hinüber robben kann. Ob ich denn mal einen Roman schreiben wolle, fragte der Verlagsmensch in der Kantine. Och, meinte ich, es gäbe da schon was, nur sei das leider schlecht. Ob ich denn nicht noch mal von vorn beginnen wolle, man könne ja nie wissen. Ich schüttelte den Kopf, betrank mich, dann schlossen wir einen Pakt. Ich würde endlich diesen Roman vollenden und er mir bei der Arbeit und Veröffentlichung behilflich sein. Gesagt getan. Zwei Jahre später, das Werk war erschienen, baten mich Abgesandte eines Hamburger Theaters, das nicht das Schauspielhaus war, um ein konspiratives Treffen. Kantine, schrie ich, Schauspielhaus – aus Gewohnheit und warum auch nicht. Monate später dann ein zweites Treffen, diesmal mit einer Dramaturgin des Schauspielhauses, Frau Bramkamp. Sie sagte: Dein Roman! Muss auf die Bühne! Sie sagte auch warum. Und dann: Regie! Jorinde! Dröse! Ich warf den Tisch um, buchstabierte die Namen aller zwölf Apostel rückwärts und weinte. Dann trafen wir uns mit der abenteuerlustigen Bühnenkünstlerin und Herzensdame Dröse, redeten und robbten, schlossen einen neuen Pakt, und gleich ist es soweit: P-P-P-Premiere!

Ich könnte jetzt noch erzählen, wie das so ist, ein Theaterstück zu machen. Was für Prachtexemplare der menschlichen Gattung dafür nötig sind, welch Wunder einem auf diesem langen, verworrenen Weg widerfahren und welch Widrigkeiten. Ich könnte von Liebe erzählen und Leistenbrüchen, von Fischvergiftungen und Geisteskrankheiten, von Stromausfällen, dem süßen Gift der Erschöpfung und dem sanften Terror der Presslufthämmer hinter dem Eisernen Vorhang dieses angenagten Hauses. Oder redet man an dieser Stelle besser vom Stück? Darüber, dass es in dieser Geschichte, die hier morgen auf die Provisoriumsbühne kommt, um Abschied geht und Verschwendung, um Träume und Tragödien, um einen Ort, den es so bald nicht mehr geben wird, und um Menschen, die diesen Ort verlassen müssen auf der Suche nach dem Weiter?
Sie, liebe Leser, sehen den perfekten Newslettereinleitungstext sicher schon vor sich.

Das ist gut. Wieder schließt sich ein Kreis. Und in wenigen Stunden gehen hier die Türen auf. Wie auch immer diese Uraufführung ausgehen wird, am Ende werden sich hoffentlich alle Beteiligten in den Armen liegen und mit letzter Kraft rufen: »Wir haben’s versucht. Wir haben gewonnen. Wir waren da!«

Tino Hanekamp

Foto: Kerstin Schomburg

So was von da
nach dem Roman von Tino Hanekamp
Für die Bühne bearbeitet von Nicola Bramkamp und Jorinde Dröse
Regie: Jorinde Dröse

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Daten sind die Währung der Zukunft

Interview zu »Hacking Luleå« mit dem Regisseur Konradin Kunze

»Hacking Luleå« wird eine Stückentwicklung sein. Was reizt Dich daran, ohne einen festgelegten Text in die Probenarbeit zu gehen?

Als Regisseur ist diese Arbeitsweise neu für mich. Als Schauspieler habe ich einige Stücke mitentwickeln dürfen. Ich habe dabei immer genossen, im Team eine Geschichte zu erfinden. Bis zur Premiere kennt keiner das Ende. Was für eine Freiheit, was für ein Risiko, was für ein Vertrauen! Was auch immer dabei herauskommt, es kann nur in dieser Konstellation von Menschen entstehen. Die Spieler erschaffen Figuren, sie leihen nicht nur einer bereits erfundenen Figur ihre Stimme und ihren Körper. Im besten Fall führt diese Arbeitsweise dazu, dass keiner mehr weiß, wie ein Text, eine Idee oder eine Situation entstanden ist.

In welches Genre ordnest Du das Stück ein: ein Theaterabend über Glasfaserkabel? Eine Komödie über Datenschützer in Nordschweden? Eine Facebook-Tragödie?

Die Genrefrage lässt sich erst am Premierentag beantworten, wenn überhaupt. Vielleicht wird es alles zusammen? Nach »Verbrennungen« hatte ich das Bedürfnis, mit diesem Ensemble etwas weniger Ernstes zu entwickeln. Die Ausgangssituation – sehr verschiedene Figuren treffen an einem abgelegenen Ort aufeinander – bietet komisches Potential. Es könnte aber auch düster und blutig enden. Schließlich spielt das Stück im nordschwedischen Winter.

Was ist es, das Dich an dem Facebook-Projekt, am Polarkreis ein Datenzentrum zu bauen, besonders reizt? Inwiefern siehst Du darin einen theatralischen Wert?

Was mit so abstrakten Begriffen wie soziales Netzwerk, Internet und Cloud umschrieben wird, hat ganz reale, physische Auswirkungen. Wenn eine Milliarde Menschen Facebook-Profile haben, müssen diese Daten irgendwo gespeichert werden. Das ist zwar logisch, passt aber nicht zu dem Bild vom allgegenwärtigen globalen Netz. Plötzlich wird eine Kleinstadt wie Luleå wegen ihrer klimatischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen zu so etwas wie dem Pol der Datenwelt. Das führte zu der Idee, dieser entlegene Pol könnte wie ein Magnet auch reale Menschen anziehen.

Mark Zuckerberg propagiert, dank Facebook gäbe es eine Öffnung und Vernetzung der Welt – Datenschutzaktivisten hingegen kritisieren massiv die »Privacy Policy« des sozialen Netzwerkes. Inwiefern wird dieser Konflikt Thema des Stückes sein?

Zuckerberg will nicht in erster Linie Geld verdienen (wofür er nun nach dem Börsengang kritisiert wird), sondern die Welt verbessern. Verändert hat er sie bereits. Allerdings wächst seinem Unternehmen mit jedem Klick mehr Macht zu. Daten sind die Währung der Zukunft, wir tauschen sie ein gegen die Möglichkeit, Facebook, Google etc. zu nutzen. Zuckerberg hält Datenschutz für ein Auslaufmodell und wird dafür von einer Minderheit kritisiert. Mittelfristig wird er sich durchsetzen. Im Stück werden beide Positionen hart aufeinander treffen. Der Gedanke einer immer transparenteren Gesellschaft wird sich auch auf anderen Ebenen spiegeln, etwa im Bühnenbild.

Mit was für Figuren werden wir es in »Hacking Luleå« zu tun haben?

Die Figuren werden von den Spielern erfunden. Es gibt aber eine Konstellation, von der wir zunächst ausgehen: Zwei heutige samische Holzfäller, die sich eine Hütte in der Nähe des Datenzentrums teilen. Der Jüngere sucht nach einer Frau fürs Leben, der Ältere hütet ein Geheimnis hinter seinem Bart. Eine österreichische Esoterikerin, die alte samische Traditionen wiederbeleben will. Und schließlich zwei deutsche Datenschutzaktivisten. Sie will mit den neuesten Protesttrends gegen Facebook mobilmachen. Er ist ein Nerd, der normalerweise nur online reist.

Das Gespräch führte Kristina Ohmen.

»Hacking Luleå«
Eine Stückentwicklung von Konradin Kunze und dem Ensemble
Regie: Konradin Kunze
Uraufführung am 6. Dezember 2012, Malersaal

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Hawaii 06 ist da

Das Magazin aus dem Schauspielhaus.

Harte neue Welt.
Verstehen, optimieren, abwickeln.
Ein Magazin über die Ressource Mensch.

Mit Beiträgen von Mit Beiträgen von Nina Braun, diceindustries, Christoph Faulhaber Till Gerhard, Monika Grzymala, Henning Kles, Oliver Kluck, Katja Kullmann, Stefan Marx, Ruth May, Robert Pfaller, Werner Rügemer, Andreas Siekmann, Malte Struck, Christoph Twickel

Hawaii 06 können Sie sich bei Ihrem nächsten Schauspielhaus-Besuch kostenlos mitnehmen – und hier online ansehen. Viel Spaß beim Lesen!

Editorial
Harte neue Welt? An der Oberfläche wirkt alles viel heller, loungiger, aufgeräumter – und überhaupt viel weniger entfremdet als früher. Die Wände aus Glas, die Hierarchien flach, die Arbeitszeiten gleitend. Das Büro sieht aus wie ein Café. Überhaupt findet Arbeit heute immer mehr deterritorial statt, mein Home ist nicht nur mein Castle sondern immer häufiger auch mein Office. Weisungsgebunden war sowieso gestern. Heute treffen wir im Team Zielvereinbarungen. Aber ist das überhaupt ein Widerspruch? »Die Arbeitnehmer sind sowohl autonomer als auch stärker fremdbestimmt« schreiben Luc Boltanski und Eve Chiapello in ihrem Klassiker »Der neue Geist des Kapitalismus«, worin die beiden französischen Sozialwissenschaftler schon zur Jahrtausendwende analysierten, wie Ideale von Selbstverwirklichung und Autonomie in einem neuartigen Arbeitsregime aufgehen: »Dabei wird das autonome Handeln nicht nur als eine Möglichkeit oder als ein Recht präsentiert. Man verlangt es gewissermaßen von den Menschen, deren Wertigkeit immer häufiger an ihrem Selbstverwirklichungspotential gemessen wird.« Heute hat sich der Blick auf die neuen Regimes des Selbst geschärft. Zum Beispiel in »Männer Frauen Arbeit«, dem neuen Text des 31-jährigen Autors Oliver Kluck, der am 7. Dezember im Schauspielhaus Premiere hat: eine neue, radikale Sicht auf das angebliche Ende der Geschichte, als der neue Unternehmergeist in die sozialistischen Planwirtschaften einfuhr. Der Künstler Andreas Siekmann und der Wirtschaftsexperte Werner Rügemer diskutieren in »Hawaii«, wie mit dem Wirken der Treuhandanstalt tatsächlich eine ganz andere Geschichte begann: die des von demokratischer Kontrolle abgeschotteten »optionalen Investitionskapitalismus«. Was bedeutet dieser neue Kapitalismus für die – traditionell von Kulturschaffenden vertretenen – Forderungen nach Autonomie und Entfaltungsmöglichkeiten? Dass alles gut wird, wenn wir nur ganz bei uns sein dürfen? Finden wir langsam verdächtig. Womöglich ist die gesellschaftliche Rücksicht vor dem Selbst und seiner Authentizität bloß »die zweite, zartbesaitete Welt eines aggressiven Umverteilungskapitalismus«, wie der Philosoph Robert Pfaller schreibt? In »Hawaii« lassen wir Pfaller mit einem Essay zu Wort kommen, der erklärt, was geschieht, wenn eine Gesellschaft die vermeintlich Schwachen nur noch wahlweise als schutzlose oder unterhaltsame Freaks taxiert. Die »alte Künstlerkritik«, wie Botanski/Chiapello sie nennen, ist einer oftmals skeptischen Begutachtung gewichen – wie auch die Bildebene dieser Ausgabe von »Hawaii« zeigt: Wir haben zeitgenössische Künstler nach ihrer Sicht auf die harte neue Welt gefragt und um Beiträge gebeten – und sind stolz und glücklich darüber, was dabei herausgekommen ist. Viel Spaß beim Schauen und Lesen – wir sehen uns im Theater, Jack Kurfess und Florian Vogel.

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Dramaturg Michael A. Propfe über »Filmtheaterfilm oder Theaterfilmtheater?«

Das Theater hat keine eigenen Stoffe mehr? Es greift mehr und mehr zu Adaptionen von Romanen oder Filmen? Stimmt alles nicht. Von vorne nicht und von hinten schon gar nicht. Das gesamte klassische antike Theater fiele unter das Verdikt mangelnder Originalität, denn alle seine Stoffe entstammen mündlicher Tradierung, waren also keine originären Theaterstoffe. Das Kino, als Schwesterkunst des Theaters, ist ohne literarische Quellen in Romanen, Novellen und Erzählungen gar nicht vorstellbar. Stoffe suchen sich offensichtlich die ihnen angemessenen Medien, in denen sie erzählt und verbreitet werden, in jeder Generation neu. Über die Berechtigung solchen Tuns entscheidet allemal das Ergebnis, und da gibt es gelungene und weniger gelungene. Das Theater jedenfalls hat sich durch diese Expeditionen in andere Medien Ausdrucksformen und Möglichkeiten erobert, wovon nun wieder die originär fürs Theater geschriebene Literatur profitiert.
Im Falle von »Der Vorname« verhält es sich nun völlig anders – ebenso übrigens wie im Fall des Stücks »Der Gott des Gemetzels« von Yasmina Reza, die im Falle der beiden Autoren Alexandre de la Patellière und Matthieu Delaporte immer als Referenz herhalten muß. Die beiden Autoren kommen vom Film und vom Fernsehen, sind bekannte Drehbuchautoren, also mit Wirkungsmechanismen der Darstellung wohlvertraut. Ausgestattet mit diesem handwerklichen Wissen haben sie sich an ihr erstes Stück fürs Theater gemacht. Das funktionierte auf doppelte Weise: sie holten Gegenwartsaktualität (nicht Tagesaktualität) in ihre Geschichte und sie wandten an, was sie gelernt hatten. Heraus kam ein well made play, eine Gesellschaftskomödie mit exaktem Timing, mit präzise gesetzten Pointen und Konflikten – ein Stück, das über ein Jahr lang en suite an einem Pariser Theater gespielt wurde. Dieses Stück, mit einem Einheitsbühnenbild, verwandelte sich auf dem Weg in die Kinos – so gut wie überhaupt nicht. Wir sehen auf der Leinwand im wesentlichen abgefilmtes Theater. Natürlich hat die Wohnung, in der der Abend spielt, mehr Tiefe, und auch sonst gibt es Bilder von »draußen«: eine Fahrt durch die Stadt, Françoise kommt ins Bild, usw. Das ist aber mehr dekoratives, additives Beiwerk, keine konstitutive Filmästhetik. Natürlich funktioniert der Film (ebenso wie die Verfilmung von »Der Gott des Gemetzels« funktioniert hat), weil die Geschichte gut erzählt ist. Aber dieser Abend im Familienlabor braucht kein sichtbares Draußen (der Rückprospekt des nächtlichen Paris in unserer Aufführung ist eine atmosphärische Gabe an die Zuschauer). Der Rest ist ein Match.
Er beginnt – jetzt. Und wie im Tennis gibt es kein Unentschieden.

Der Vorname oder Zu Gast bei guten Freunden
von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière
Deutschsprachige Erstaufführung
Regie: Christian Brey
Es spielenKatja Danowski, Ute Hannig, Markus John, Janning Kahnert, Stephan Schad

Premiere am 4. November 2012, Spielfeld

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Schuldlos schuldig?

»Zeichen hab ich in der Hand,
Spuren, die mir zeigen können, wer ich bin.
Es muss ans Licht.«
»O, armer Mann, wenn du doch nie erkennen mögest, wer du bist«

Wer ist dieser Ödipus, dessen tragisches Schicksal uns bis heute bewegt? Was macht sein Schicksal auf so beispielhafte Weise tragisch? Wie konnte Ödipus, der ohne es zu wissen seinen Vater tötet, seine Mutter heiratet und mit ihr vier Kinder zeugt, zum Inbild werden für die Tragödie des Menschseins?

Mit seinem »König Ödipus«  hat Sophokles einen Urtext des Theaters geschrieben. In diesem ersten analytischen Drama der Literaturgeschichte hat der Ödipus-Mythos zu seiner exemplarischen Form gefunden. Es ist zum Inbegriff der Tragödie geworden. Seitdem ist die tragische Geschichte des Ödipus immer von neuem erzählt, befragt, gedeutet und umgedeutet worden – so, als sei in dem, was Ödipus  zustößt,  wie er handelt, was er leidet und lernt, viel darüber zu erfahren, wer wir sind und woher wir kommen.

Ein Fremder ist Ödipus bereits, wenn er auf die Welt kommt: nicht gewollt, ausgesetzt, die Füße durchbohrt, ausgestoßen und nur durch Zufall gerettet. Von Anbeginn an lastet auf ihm die fluchbeladene Geschichte der thebanischen Labdakiden-Dynastie , der er entstammt – Familiengeschichte als eine einzige Kette von Verfehlungen und Verbrechen. Mit seiner Geburt gerät Ödipus in das Räderwerk weit zurückliegender Vergehen. Er wird dieses Räderwerk, gewollt oder ungewollt, weiter am Laufen halten und das fatale Erbe weitergeben an seine Kinder: Putsch, Verletzung der Gastfreundschaft , Entführung, Kindesmissbrauch, Kindesaussetzung, Vatermord, Inzest, Selbstmord, Brudermord – die Verletzung elementarer Kulturnormen ist die Regel im schlecht regierten vordemokratischen Gemeinwesen Theben.

Auf der Flucht vor der Prophezeiung des Orakels, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten werde, kommt Ödipus als kluger Rätsellöser in die von der grausamen Sphinx belagerte Stadt, wird als ihr Retter gefeiert und zum König ernannt. Er heiratet Jokaste, die verwitwete Königin und zeugt  vier Kinder mit ihr. Der Fremde erweist sich über viele Jahre als guter Regent, bis die Stadt von der Pest heimgesucht wird. Pest heißt nicht nur Krankheit, Hunger und allgegenwärtiger Tod, Pest heißt Chaos, Auflösung aller sozialen Ordnung und Barbarei. Aufgebracht fordern die leidgeprüften Bürger von ihrem König: »richte Theben abermals empor!« Ödipus aber ist ratlos,  lässt Kreon das Orakel befragen, was er tun soll, um die unglückliche Stadt von der Pest zu befreien. Apollons Auftrag : die Stadt müsse gereinigt werden von dem Makel, der auf ihr liegt. Allzu lange ungesühnt sei der Mord an König Laios, dessen leeren Thron Ödipus bestiegen hat.

Ödipus macht  die Aufklärung dieses Verbrechens zur Chefsache, verschreibt sich mit Haut und Haar einer zunehmend verbissenen Wahrheitssuche und verliert dabei das Unglück der Stadt aus den Augen. Er wird zum Ermittler, sucht Zeugen, sammelt Indizien, verdächtigt seinen Schwager Kreon der Verschwörung mit dem Seher Teiresias, als der ihm eröffnet, er, Ödipus selbst, sei der, den er sucht. In einem von Zorn, Abwehr, Ahnung, Zweifeln, Verdacht und Verdrängung gespeisten Prozess der Bewusstwerdung nähert er sich unaufhaltsam dem schrecklichen Moment der Enthüllung. Das Wissen aber, das er am Ende dieser radikalen Wahrheitssuche findet, wird ihn vernichten. Der analytische Prozess, in dem er bis zu seiner fluchbelasteten Geburt zurückgeht, bringt weder Befreiung noch Heilung. Er weiß jetzt, wer er ist, aber der Wucht dieser Erkenntnis ist er nicht gewachsen. Aus Verzweiflung darüber sticht er sich die Augen aus.

Der selbstbewusste Rätsellöser und Retter der Stadt, der »späte Bürger« und gute Regent, der Aufklärer und Wahrheitssucher, der die Gebote der Götter befolgte, ist schuldig geworden. Er hat alle nur denkbaren Tabus gebrochen, hat die göttliche, die soziale und die kulturelle Ordnung tief verletzt. Ohne es zu wissen oder gar zu wollen,  ist er zum Vatermörder und Blutschänder, zum Sohn seiner Ehefrau, zum Bruder seiner eignen Kinder geworden.

Ist Ödipus also schuldlos schuldig geworden? Ist er verantwortlich zu machen für das, was er getan hat? Hätte er früher sehen müssen, was er nicht sehen wollte? Wollte er zuviel wissen? Mehr als er verkraften konnte? Hatte er angesichts seiner Familiengeschichte  jemals eine Chance, sich selbst zu entkommen?

Hätte er angesichts seiner aus den Fugen geratenen Stadt nicht besser getan, was die verzweifelten Thebaner von ihm forderten: »Mach gute Politik!« anstatt auf Apollon zu hören?  Konnte er, der König von Theben, nicht anders, als sich auf der Suche nach einem Sündenbock für die Krise der Polis in eine höchst private Wahrheitssuche zu verbeißen?

Da im griechischen Mythos das menschliche und das politische Drama nicht voneinander zu trennen sind, wird man die Tragödie des Ödipus immer auch als Teil der Krise der Polis  verstehen müssen und die Pest als Metapher für die in Auflösung begriffene göttliche, soziale und kulturelle Ordnung. Angesichts dieser immensen politischen Herausforderung aber hat Ödipus als Herrscher versagt. Er handelt nicht als der für das  Gemeinwohl verantwortliche Regent sondern als ein Privatier, der um jeden Preis etwas wissen will.

Auf die Vorgänge im katastrophengeschüttelten Theben schaut Sophokles unverkennbar mit dem Blick des demokratischen Athener Bürgers. In seiner letzten Tragödie »Ödipus auf Kolonos« stellt er den dunklen, archaischen, gesetzlosen Zuständen der thebanischen Polis die Errungenschaften der vernünftig regierten athenischen Polis gegenüber. Im Sinne einer neuen politischen Moral, frei vom Zwang, Orakelsprüche zu erfüllen, frei von den psychischen Erblasten fluchbeladener Dynastien kann die tolerante, aufgeklärte Gesellschaft Athens den alten, blinden, heimatlos umherirrenden Ödipus gastfreundlich in die Polis aufnehmen, in ein »Land des Friedens, wo die Bürger den Fremdling beschützen.«

Ursula Keller

Ursula Keller ist Journalistin, Dramaturgin und Autorin. Von 1992 bis 2005 leitete sie das Literaturhaus Hamburg.

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Ödipus
Gedanken zur Textfassung

»Wehe! Der Stachelstich dringt in mich ein: Erinnerung!«

»Sie sehen jetzt, meine Damen und Herren, eine der vollendetsten Maschinen, ein Uhrwerk, das, völlig aufgezogen, langsam, ein Menschenleben lang, abläuft, von den teuflischen Göttern erdacht zur mathematischen Vernichtung eines Menschen.«[1] So kündigte Jean Cocteau in seiner Ödipusbearbeitung das Bühnengeschehen an. Die Fassung des Deutschen Schauspielhauses greift das Prozesshafte im Mythos Ödipus auf und erzählt in knapp zwei Stunden die subjektive Perspektive von Ödipus und dessen Schicksal.

Wir begegnen zunächst dem alten Ödipus, wie ihn der fast 90jährige Sophokles in seinem Alterswerk »Ödipus auf Kolonos« beschreibt. Ein alter, gebrechlicher Greis, der seinem Tod entgegen stolpert, wird im Verlauf der Geschichte zu einem starken, stimmgewaltigen Mann, der mit seinem ganzen, über die Jahre stillgelegten Hass und Zorn abrechnet. »Es ist«, so Klaus Reichert[2] »die große Abrechnung – der Figur und ihres Autors – mit der Unmenschlichkeit.«

Nach Jahren ruhelosen Umherwanderns kommt Ödipus als blinder Bettler in Kolonos, nahe Athen, an und blickt dort auf sein Leben zurück. Er weiß, dass sein Leidensweg hier ein Ende nehmen und er seine letzte Ruhestätte finden soll, und bittet die Gesellschaft Athens um Schutzaufnahme. Doch die satten, glücklichen Athener bestehen darauf, zuerst Gewissheit über Ödipus‘ Herkunft und Geschichte zu erlangen. So ist er gezwungen, sich die schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit noch einmal ins Bewusstsein zu rufen.

Ödipus’ »Stachelstich« der Erinnerung führt ihn, und den Zuschauer, zurück in die Welt von Sophokles »König Ödipus«: Ödipus war König von Theben gewesen und hatte dort lange Zeit mit glücklicher Hand regiert. Als Theben eines Tages von der Pest heimgesucht wurde, verkündete das Orakel von Delphi, zur Rettung der Stadt müsse der ungesühnte Mord am ehemaligen König Laios aufgeklärt werden. Die Thebaner setzten all ihre Hoffnung in Ödipus, denn schon einmal hatte er die Stadt gerettet. Er versprach, alles in seiner Macht stehende zu tun, um den Mörder zu finden. Dass Ödipus selbst, der Heilsbringer und Hoffnungsträger, der Grund allen Übels war, trat erst nach und nach zu Tage – und Ödipus begriff es als Letzter. Nachdem Ödipus die Wahrheit ans Licht gebracht hatte, stach er sich – entsetzt über seine eigene Blindheit – beide Augen aus und ging freiwillig in die Verbannung; seine Frau Jokaste nahm sich aus Verzweiflung das Leben. Sein Schwager Kreon übernahm die Herrschaft in Theben, stellvertretend für Ödipus’ noch minderjährige Söhne.

Ödipus‘ schmerzhafte Erinnerung kommt an ihr Ende, wir kehren zurück in die Welt von Sophokles‘ »Ödipus auf Kolonos«. Von Ödipus‘ tragischem Schicksal und seinem maßlosen Leid berührt, zeigt sich die Athener Gesellschaft nun gnädig und nimmt ihn in ihr Land auf: Bis zu seinem Tod darf er im heiligen Hain von Kolonos die Freuden des Friedens und der üppigen Natur genießen.

Doch Ödipus’ Leidensweg nimmt kein Ende: Als Sterbender phantasiert er sich seine Söhne Polyneikes und Eteokles sowie seine Tochter Antigone herbei (die zweite Tochter Ismene ist in unserer Fassung gestrichen), die uns aus Euripides‘ »Die Phoinikerinnen« und Aischylos‘ »Sieben gegen Theben« vertraut sind. Antigone erzählt, wie Eteokles den älteren Polyneikes um die Königsherrschaft betrogen und aus der Stadt verjagt habe – eine Spätfolge des Fluchs, der auf Ödipus’ Geschlecht lastet. Eteokles und Polyneikes führen ein erbittertes Streitgespräch und versuchen, den Vater jeweils auf ihre Seite zu ziehen; Antigone vermag den Streit ihrer Brüder nicht zu schlichten. Der Vater muss mit anhören, wie die Söhne gegeneinander in den Krieg um den thebanischen Thron ziehen und im Zweikampf sterben – einer von der Hand des anderen.

Und auch die Tochter wird Ödipus verlieren: Wie aus Sophokles’ »Antigone« bekannt, widersetzt sie sich dem Verbot, ihren Bruder Polyneikes in allen Ehren zu bestatten und wird von Kreon zum Tode verurteilt.

Der alte, blinde Ödipus bleibt allein in Kolonos zurück. Totenruhe ist ihm nicht vergönnt. Sein Schicksal wiegt so schwer, dass harmonische Auflösung nicht möglich scheint. So blickt er ein letztes Mal auf sein Leben zurück und unterzieht seine Existenz einer radikalen Befragung: »Ist es möglich, dass alles vorherbestimmt war? Ist von Anfang an die Zukunft beschlossen? Dürfen wir uns nicht wehren? Müssen wir alles hinnehmen?«[3] Ödipus fragt nach den Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Selbstbestimmung und Verantwortlichkeit angesichts einer überkomplexen und undurchschaubaren Wirklichkeit, die sich dem unmittelbaren Zugriff zu entziehen scheint. Er erlebt sich vom Zufall hin- und hergeworfen, ausgeliefert an ein namenloses Schicksal und der Willkür metaphysischer Vorsehung unterworfen. Es stellt sich die Frage, ob man als Handelnder die Kontrolle über sein Leben zurückerobern kann. Es gilt,  Alternativen abzuwägen, Entscheidungen zu treffen und deren Konsequenzen zu tragen – auch wenn sie vorher nicht absehbar sind. Es ist kein leichtes Los – doch »von dem, was ihm verhängt ist, wird kein Sterblicher befreit«, so heißt es am Ende der »Antigone«.

Nicola Bramkamp


[1] Cocteau, Jean: »Die Höllenmaschine«. Aus dem Französischen von Herbert Mühlbauer. Bad Reichenhall: Strassegg, 1959 [Frankreich, 1932].

[2] Reichert, Klaus: »Altern als Problem für Künstler und Könige: Lear«. Festvortrag zur Verleihung des Martin-Lehnert-Preises der Deutschen Shakespeare-Stiftung, 22.04.2012.

[3] Edipo Re: König Ödipus / Regie: Pier Paolo Pasolini. Stuttgart: Filmgalerie 451, 2006 [Italien, 1967].

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»Verbrennungen« von Wajdi Mouawad

»Täglich erreichen uns schockierende Bilder und Nachrichten aus Kampfgebieten in Syrien. Seit März 2011 wurden mindestens 17.000 Menschen getötet, hunderttausende Menschen befinden sich auf der Flucht. Jenseits jeglicher öffentlicher Kontrolle geht das syrische Regime nach wie vor mit Polizei und Geheimdiensten gegen die vielen Oppositionellen im Lande vor, die auf friedlichen Widerstand setzen. Wir dürfen diese mutigen Menschen, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen und deswegen vom syrischen Regime verfolgt werden, nicht vergessen. Wir brauchen jetzt dringend neue Initiativen in der Syrien-Politik, um doch noch eine politische Lösung zu erreichen.«

Markus Löning, Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe am 10. 08. 2012

»Verbrennungen« von Wajdi Mouawad ist eine moderne Tragödie, die uns deutlich vor Augen führt, dass die menschliche Würde ein allzeit bedrohtes Gut ist. Der meisterhafte Theaterautor Mouawad konfrontiert und mit einer messerscharfen Analyse menschlicher Gewalt und Abgründe. Und gleichzeitig ist es »ein Stück über den Versuch, in einer unmenschlichen Situation seine Versprechen als Mensch zu halten.« (Mouawad) Ein existentielleres Stück findet man im zeitgenössischen Theater kaum.

 

Nächste Vorstellungen: 19. und 20. September, 20 Uhr, Malersaal

Alle Infos zum Stück finden Sie hier auf schauspielhaus.de

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»Es herrscht auf der Welt immer Krieg,
immer fahren irgendwo Panzer«
Ein Gespräch mit Nino Haratischwili zu »Elektra«

 

Klaus Schumacher hatte schon länger überlegt, den Elektra-Stoff für junges Publikum zu inszenieren. Da hatten wir die Idee, Dich eine Neudeutung schreiben zu lassen.

Antigone, Medea, Elektra – diese Figuren haben mich schon immer gereizt. Für meine Diplominszenierung an der Theaterakademie Hamburg habe ich zum Medea-Mythos ein Stück geschrieben. In meiner Neudeutung entwerfe ich Elektra als sehr fragilen, verlorenen jungen Menschen, der – auf der Suche nach seiner Identität – zunehmend radikaler wird. Sie ist in meinen Augen ein kleines Mädchen, das gegen alles rebelliert, da es nicht weiß, wohin es gehört.

Wenn Du die antiken Elektra-Varianten mit Deiner vergleichst, was wolltest Du unbedingt anders erzählen?

Ich wollte Elektra ins Heute versetzen, ohne mich in Tagesaktualitäten zu verlieren. Elektra ist eine Privilegierte, die alles haben kann, sich aber zunehmend verliert. Ich wollte die Spaltung meiner Welt, wie ich sie empfinde, darstellen: in Ost und West, Christentum und Islam; das Fremde, das einen ängstigt und überfordert thematisieren. Ich wollte Elektras Zerrissenheit und innere Getriebenheit auch auf die anderen Figuren ausweiten. Ich habe viele Inszenierungen gesehen, die sie nur als Opfer darstellen, das Gerechtigkeit wieder erlangen möchte. So sehe ich sie einfach nicht.

In Deiner »Elektra« führst Du eine neue Figur ein: Polyxena. Warum erfindest Du mit ihr einen zusätzlichen »Racheengel«?

Elektra und sie bilden für mich Gegenpole. Polyxena ist aus einer fremden Welt, Troja, die Elektras Welt, Mykene, ängstigt und ihr ein schlechtes Gewissen macht, da Mykene den Untergang Trojas verschuldet hat. Polyxena hat den Krieg und die Grausamkeiten, die ihrer Familie angetan wurden, miterlebt. Sie weiß genau, was sie will und glaubt an die Richtigkeit ihres Handelns. Elektra mutmaßt nur. Sie weiß, dass ihr alles um sich herum nicht gefällt. Aber sie weiß nicht, wie und was man ändern kann. Deshalb idealisiert sie alles Gewesene. Sobald ihre Wünsche jedoch Realität werden, bekommt sie es mit der Angst zu tun. Ich habe mir eine westliche Elektra im Jahre 2012 vorgestellt. Ich habe mich gefragt, was sie ändern würde, wenn sie könnte. Und da kam ich zu dem Schluss, dass nichts passieren würde, dass sie noch jahrelang klagen würde. Wenn ich mir aber eine Gleichaltrige aus Tschetschenien vorstelle, die den Krieg miterlebt hat, dann denke ich, dass diese Figur w eniger Angst hätte zu handeln, auch wenn dieses Handeln nicht unbedingt wünschenswert ist. Deshalb habe ich Polyxena ins Spiel gebracht.

Der Krieg um Troja, den Elektras Vater Agamemnon angeführt hat, spielt in Deinem Stück eine viel größere Rolle als in klassischen Bearbeitungen.

Wir bekommen hier im Westen wenig von den Kriegen andernorts mit, aber es herrscht auf der Welt immer Krieg. Immer sterben Menschen, immer fahren irgendwo Panzer, immer sind irgendwelche Konflikte um Grenzen, Öl, Geld, Macht ungelöst. Ich finde es unfassbar, dass die Menschheit das bislang nicht hat lösen können. Ich komme aus einem Land, das seit meiner Einschulung bereits drei Kriege geführt hat. Letztlich ist die ganze Rachespirale in »Elektra« ins Rollen gekommen, weil Agamemnon in den Krieg zog. Im Krieg und in seinen Folgen liegen die meisten Gründe für das Handeln der Figuren im Stück. Auch viele unserer gesellschaftlichen Probleme beruhen auf Kriegen, von denen wir vielleicht nicht viel mitbekommen, die aber dennoch (zum Teil auch von uns) geführt werden. Nichts in der Welt geschieht ohne einen Zusammenhang.

Das Gespräch führte Stanislava Jević

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Junges Schauspielhaus. Zweitausendzwölf, Zweitausenddreizehn

»Es gibt Wahrheiten, die man selbst entdecken muss«
Wie gerne würde man Kinder vor Fehlern, die man im Leben so machen kann, bewahren! Immer wieder ertappen wir uns dabei, uns an die eigene Kindheit zu erinnern, und meist denken wir: Na, du hast es doch besser als ich! All diese Gedanken haben aber vor allem mit uns, der Elterngeneration, zu tun. Und nur bis zu einem gewissen Grad ist Kommunikation zwischen den Generationen überhaupt möglich. Zumindest in der Realität. Im Reich der Imagination, der Kunst, der Fantasie und des Theaters sind hingegen alle Perspektivwechsel möglich, die wir uns ersehnen. Deshalb richten wir unseren Blick in der kommenden Spielzeit aus der Pers pektive von Kindern und Jugendlichen auf die Welt – dieses noch unbekannte Land, das es zu entdecken gilt. Der preisgekrönte Autor Wajdi Mouawad formuliert in einem seiner Stücke, in dem die junge Generation durch eine lange (Theater-)Reise die Wahrheit über ihre eigene Herkunft aufdeckt: »Es gibt Wahrheiten, die nur unter der Bedingung aufgedeckt werden können, dass man sie selbst entdeckt.« Wie wahr! Darum geht es im Leben: eigene Wege gehen zu dürfen, die uns auf unsere ureigenen, subjektiven Wahrheiten stoßen lassen, die wahrscheinlich anderer Art sein werden, als die der vorangehenden Generation. Und das ist es, was wir unseren Kindern eigentlich wünschen (sollten): Der werden zu dürfen, der man ist. Was wir am nötigsten brauchen, sind deshalb Menschen, die uns auf diesem Wege unterstützen. Das Theater kann ein Ort sein, der genau dazu beiträgt. Mit »Elektra« eröffnen wir die Spielzeit. Einer jungen Frau, die glaubt, die Wahrheit mit Löffeln gefressen zu haben, die aber im Zuge der Geschichte auf Wahrheiten gestoßen wird, von denen sie nicht einmal ahnte, dass es sie gibt. Die Stückentwicklung »The Node Pole« hinterfragt humorvoll das Phänomen Facebook und thematisiert, ob der gläserne Mensch nicht auch eine gläserne Welt produziert, in der es keine Geheimnisse mehr zu entdecken gibt. In der Bilderbuchadaption von »Deesje macht das schon« begeben wir uns auf eine Reise in eine große, fremde Stadt, die für die nachdenkliche, fantasiebegabte Deesje mindestens so aufregend ist wie eine Raketenfahrt ins Weltall. In der »Black Box Leben« befragen wir Hamburger Kinder nach ihrem Alltag und ihren Zukunftsentwürfen; ältere Schauspieler erinnern sich an diese Zukunft, als wäre es ihre eigene Vergangenheit. Mit der Ringparabel aus »Nathan« beschließen wir die Spielzeit: Den richtigen Ring, den einen richtigen Glauben gibt es nicht. Gehen Sie in der nächsten Spielzeit mit uns auf (Theater-)Reisen, die uns allen hoffentlich große Perspektivwechsel erlauben und uns eigene Wahrheiten entdecken lassen.
Klaus Schumacher
Hier können Sie das Spielzeitheft 2012-2013 des Jungen Schauspielhauses als PDF-Datei ansehen

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Junge Choreografen II: Blick hinter die Kulissen

Am 27. und 28. März gastieren die »Jungen Choreografen« des HAMBURG BALLETT erneut am Deutschen Schauspielhaus. Das HAMBURG BALLETT startet eine kleine Blog-Reihe und begleitet sie auf ihrem Weg zur Premiere in zwei Wochen. Ein Einblick in die erlebnisreiche Zeit der Proben bis hin zum fertigen Stück.

Hier geht’s zum Blog.

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Interview zu »Wunschkonzert« von Franz Xaver Kroetz (Premiere am 29. Februar)

Am 29. Februar ist es so weit: »Wunschkonzert« von Franz Xaver Kroetz feiert um 20.30 Uhr Premiere im Rangfoyer. Wir haben es mitten im Endprobenstress geschafft, der Regisseurin Christine Gerstner und der Schauspielerin Hedi Kriegeskotte eine kleine Frage zu ihrer Produktion zu stellen…

»Wunschkonzert« ist ein außergewöhnliches Stück. Eine achtseitige Regieanweisung. Ein Monolog ganz ohne Sprache. Sicher eine besondere Herausforderung?

Hedi Kriegeskotte: Dass man Vorgänge auf der Bühne spielt und dabei nicht spricht, kennt man. Dass das hier allerdings über einen so langen Zeitraum sein soll, ist ungewöhnlich. Das Außergewöhnlichste für mich war die Erfahrung, dass man im Gegensatz zum Sprachstück nichts nach außen transportieren muss und darf, sondern immer alles mehr und mehr nach innen nimmt, bis man das Gefühl hat, man implodiert. Je mehr ich zurück nehme und den Zuschauer völlig ausblende, desto spannender wird es für ihn. Das ist ungewohnt und fordert mich. In diesem Stück ist man als Schauspieler außerdem gnadenlos auf die Regie angewiesen. Das habe ich noch nie so stark erlebt. Sonst gibt es den Partner oder auch die Sprache. Ich merke, ob es richtig klingt, ob die Sprache mich transportiert. Das gibt es hier nicht. Wer sagt mir dann, ob das was ich spiele überhaupt rüber kommt, geschweige denn gut ist? Ich kann das absolut nicht beurteilen in dieser Rolle. Dafür braucht es eine ungewöhnlich große Sensibilität  zwischen Regisseurin und Schauspielerin.

Christine Gerstner: Für mich kommt dazu außerdem ein bestimmter Wahrnehmungsmodus beim Zuschauer, mit dem man umzugehen lernen muss. Wenn man jemandem länger beim Alleinsein in Stille zusieht, nimmt man Dinge plötzlich viel übersteigerter wahr, als sie tatsächlich sind. Heute haben wir beispielsweise das Essen geprobt und ich bin mir gar nicht sicher, ob es wirklich so viel größer war, als wenn Hedi jetzt ganz privat, unbeobachtet essen würde. Da ich als Zuschauer Fräulein Rasch in dem Moment aber schon 20 Minuten bei stillen Vorgängen zugesehen habe, wirkt alles viel bedeutender. Und deshalb muss man ganz extrem zurücknehmen und nur sehr wenig zeigen. Man stößt schnell an die Grenze zur Pantomime und zum Ausstellen. Auf diesen Wahrnehmungsmodus muss man sich als Zuschauer allerdings auch erstmal einlassen. Wenn man es schafft, sich diesem reinen Zugucken zu öffnen und man nicht permanent nur verstehen und intellektuell reflektieren will, sondern es geschehen lässt, dann ist es spannend, und dann bekommt man auch viele Feinheiten mit.

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Wo Autobiografie war, wird Wodka, Wurst und Gurke sein

von Przemek Zybowski

Was bleibt einem anderes übrig, als seine eigene Sprache zu erfinden. Heute braucht alles eine Begründung, einen Zweck und eine Auto-Biografie. Psychologie und finanzielle Überbietungen sind die heutige Währung des Vertrauens. Adom zeigt einen Weg aus der Krise. Anhand von »unwillkürlichen Erinnerungsmomenten« erfindet er eine eigene Sprache und einen eigenen Kosmos. Diese haben zwar mit seiner Vergangenheit etwas zu tun, gehorchen aber anderen Gesetzen. Hier ist die Sprache die Währung: Sie ist pure Produktion. Produktion aber nicht als die Dirne der Wertsteigerung. Produktion als Widerstand gegen vorschnelle biografische Festlegungen und zwanghafte Wertsteigerung. Ist erst einmal der Strom zur eigenen Sprache geknüpft, wird produziert was das Zeug hält. Hier ergreift ein Individuum sein Wort, knüpft Bande in verschiedene Richtungen, weil es Material braucht und ist doch, da wo es spricht, völlig ungebunden, losgelöst, seines eigenen Lebens unmittelbare Begründung ohne Zweck. Wenn die Geschichte zu einem Kleid wird, aus dem man nicht mehr aussteigen darf, wird die Sprache zum Zuhause.

Definition: »unwillkürliche Erinnerungsmomente«
franz., memoire involontaire
Wer will und kann, darf hier ins Wechselstübchen der Literaturvergleiche gehen und Proust zitieren:
»Proust unterscheidet eine willkürliche, intelligente Erinnerung von der memoire involontaire, die allein den Zugang zur Wahrheit einer vergangenen und zugleich verlebendigten Zeit eröffnen kann. Anders als eine willentliche Erinnerung, wie sie z. B. durch das Betrachten von Fotoalben und Souvenirs jederzeit aufgerufen werden kann, unterliegt die von Proust beschriebene memoire involontaire der sensiblen Wahrnehmung, die sich gänzlich zufällig an einen materiellen Erinnerungsträger heftet.«
Besser aber noch als Proust zu bemühen, bemüht man sich selbst und probiert z. B. mit Wodka, Wurst und Gurke, einen »unwillkürlichen Erinnerungsmoment« herzustellen.

Defiintion: »Wodka, Wurst und Gurke«
Polnische Tradition vor allem auf Hochzeitsfesten, Theaterfesten, aber auch allen anderen Festen und auch sonst.

Foto: Kerstin Schomburg

Hosianna!
von Przemek Zybowski
Regie: Johannes Wenzel
Es spielt: Janning Kahnert

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Das muss Liebe sein! – Die Gewinner unserer Verlosung zum Valentinstag

Zahlreiche Liebeserklärungen sind heute im Laufe des Tages bei uns eingegangen, viele von ihnen hätten wir selbst gerne bekommen! Die drei schönsten, deren Absender mit ihrem Herzblatt am 28. Februar einen Theaterabend auf unsere Kosten genießen, könnt Ihr hier noch mal nachlesen:

»Du fragst Dich manchmal, ob ich an dich denke?Als ich heute Morgen wach wurde und Dich sah, bevor ich die Augen öffnete, sprintete mein Herz in den Tag. Dein ironisches Fauchen als Reaktion auf meinen Abschiedskuss half mir, nicht in den Strudel zu geraten, der uns beiden jetzt nicht vergönnt war. Da schlug mein Herz noch schneller. Unterwegs hörte ich unser Lieblingslied und träumte inmitten fremder Menschen mit Dir allein zu sein. Diamantsplitter von Gedanken an Dich flitzten durch meinen Arbeitstag und brachten mich zum Lächeln. In der Pause zappte ich alle Fotos von Dir durch, die ich auf dem Handy habe. Mein Kreislauf geriet in den roten Bereich des Drehzahlmoments. Eigentlich hab ich nach Feierabend nie Hunger, außer darauf, endlich heimzukehren, denn mein Herz galoppiert. Schnell in den Laden, natürlich den teuren Wein gekauft, er ist schließlich für Dich! Renne die Stufen zu unserer Wohnung hinauf, mein Herz rast. Küsse Dich nieder und versuche mit größter Mühe nicht wahnsinnig zu wirken. Wir tun, was wir müssen und ich verberge die Tränen des Glücks in Deiner Schulter. Mein Herz springt noch ein paar Male und kommt ein wenig zur Entspannung bis ich eingeschlafen bin und von Dir Träume. Ob ich an Dich denke? Das klingt so, als müsse ich mich mühen. Dabei geht das von ganz allein! Alles was von mir ausgeht willendlich oder unabsichtlich liebt Dich inniglich! Konsequent!  Vehement! Permanent!« TOM

»Ich war im Krankenhaus, mir ging es zu dieser Zeit nicht gut… Die einzige Person, die mich regelmäßig besuchte, war mein Freund. An einem Tag bat er mich, mit ihm spazieren zu gehen. Ich habe mir nichts dabei gedacht. Wir gingen in den Wald, der das Krankenhaus umgab. Er hielt meine Hand und führte mich zu einer Wand. Dort war ein riesiges, wirklich riesiges Herz mit unseren Initialen gesprayt. Wir standen davor, er hat mich angelächelt und mich geküsst. Ich war überwältigt. Ich fand es fantastisch, unglaublich, aber das war noch nicht mal alles. Nachdem wir uns geküsst hatten, gingen wir weiter und an jeden Baum, an dem wir entlang gingen, waren Herze gemalt. Einfach an jedem Baum – Als sei es ein Weg ins Unsterbliche.Wenn es mir an manchen Tagen nicht gut geht, fahre ich wieder hin und gehe diesen Weg entlang. Es macht mich glücklich zu wissen, dass mich eine Person dermaßen mit Liebe füllen kann.« FÜR S., MASOUD

»Als Single 60+ und eingefleischter FC St. Pauli Fan würde ich mich freuen, wenn mal ein richtiger Kerl zu mir sagte: ›Schatz, ich liebe Dich. Darf ich Dir meine Dauerkarte schenken?‹« GUNDA

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